Worum es hier geht
Die Namen Melanotan 1 und Melanotan 2 tauchen im Internet oft im Zusammenhang mit „Bräunungsspritzen“ auf. Dabei geht leicht unter, dass es sich um zwei verschiedene Peptide aus der Forschung handelt, die ursprünglich entwickelt wurden, um das Melanocortin-System besser zu verstehen. Diese Website erklärt sachlich, was die beiden Moleküle sind, was die Wissenschaft über sie herausgefunden hat und warum Behörden vor der eigenmächtigen Anwendung warnen.
Gemeinsamer Ursprung
Ausgangspunkt ist das α-Melanozyten-stimulierende Hormon (α-MSH). Es entsteht im Körper aus einem größeren Vorläuferprotein und steuert über den Rezeptor MC1R unter anderem die Bildung des dunklen Hautpigments Eumelanin. Natürliches α-MSH ist im Blut allerdings sehr kurzlebig. In den 1980er-Jahren entwickelte eine Gruppe um Victor Hruby, Mac Hadley und Robert Dorr an der University of Arizona stabilere Varianten – daraus gingen Melanotan 1 und Melanotan 2 hervor.
Melanotan 1
Lineares Peptid aus 13 Aminosäuren, relativ selektiv für MC1R. Unter dem Namen Afamelanotid in der EU für eine seltene Erkrankung als Arzneimittel zugelassen.
Melanotan 2
Ringförmiges Peptid aus 7 Aminosäuren, aktiviert mehrere Melanocortin-Rezeptoren. Nirgendwo als Arzneimittel zugelassen.
Weiterlesen
- Das Melanocortin-System: fünf Rezeptoren und ihre Aufgaben.
- MT-1 und MT-2 im direkten Vergleich: Struktur, Rezeptoren, Status.
- Häufige Fragen: kurze Antworten auf das, was am meisten gefragt wird.
Kein Bräunungsmittel. Weder Melanotan 1 noch Melanotan 2 sind in Deutschland für kosmetische Zwecke zugelassen. Arzneimittelbehörden in mehreren europäischen Ländern haben wiederholt vor im Internet angebotenen Melanotan-Produkten gewarnt.
Quellen
- Hadley M. E., Dorr R. T. (2006): Melanocortin peptide therapeutics: historical milestones, clinical studies and commercialization. Peptides 27 (2006) 921–930. PubMed